Alle Artikel in: Ostsee

Sierksdorf

XLII. Sierksdorf: nah am Wasser gebaut

Als der Maler Karl Schmitt-Rotluff 1972 nach zwanzig Sommern zum letzten Mal nach Sierksdorf reiste, öffnete das 18-stöckige Appartment-Hotel Panoramic auf der grünen Wiese. In seinem Windschatten wurde ein »Ferienpark« mit 4.000 Betten hochgezogen, gleich daneben der Freizeitpark Legoland geplant. Er ging im folgenden Sommer an den Start.

Holsteinische Schweiz

XLI. Ab durch die Mitte – in die Holsteinische Schweiz

Wer sich von Haffkrug landeinwärts bewegt, erreicht nach gut fünf Kilometern den Naturpark Holsteinische Schweiz. Topographisch hat sie wenig mit einem Alpenland zu tun. Die Bezeichnung galt zur Kaiserzeit als beliebtes Marketingmittel und stand für Wohlstand, Ordnung und landschaftliche Schönheit schlechthin. Von den rund 100 »Schweizen« Deutschlands war die nördlichste zunächst die kleinste. Anfangs war da nämlich bloß das Hotel Holsteinische Schweiz. Gründer Johann Friedrich Janus eröffnete es im Jahr 1885 am Nordufer des Kellersees. Er brauchte fünf weitere Jahre, um eine Anbindung an die Eisenbahn zu erkämpfen. Als dann tatsächlich der erste Zug von Lütjenburg in den neuen Bahnhof Holsteinische Schweiz einrollte und immer mehr Orte unter das Dach der Marke schlüpften, avancierte die ganze Region zum gut erreichbaren Sehnsuchtsziel. Sie blieb es fast 100 Jahre. Dann geriet der Heile-Welt-Charme wohl etwas aus der Mode. Vielleicht war es auch der zunehmende Autoverkehr, der bisher idyllische Städtchen zerschnitt und die Ruhe von den Seeuferstraßen vertrieb. Oder die Entscheidung der Deutschen Bahn, die Holsteinische Schweiz abzuhängen. Jedenfalls blieb 1976 – ungefähr an dem Tag, als der …

Niendorf

XXXVII. Niendorf: ÜberTourismus in der Lübecker Bucht

Fragt man die KI, ist Niendorf ein idyllisches Seebad in der Lübecker Bucht, bekannt für seinen ruhigen Sandstrand. Vielleicht hat sie das auf offiziellen Tourismusseiten aufgeschnappt, denn die sprechen sogar von »der Ruhe selbst«. Und Wikipedia nennt Niendorf beschaulich. Klingt gut?! Bloß, dass es eben nicht stimmt.

Travemuende

XXXVI. Travemünde: Bäderstil(e)

Läge Travemünde in Mecklenburg-Vorpommern, ginge es als stinknormales Seebad durch. In Schleswig-Holstein aber ist Travemünde einzigartig. Nur hier – am südlichsten Ostseestrand – findet sich der Mix aus Klassiszismus, Historismus und Jugendstil, der als Bäderarchitektur bezeichnet wird.

Wassersleben

X. Wassersleben: Grand Nothern Tours

Wassersleben. Letzter Strand vor der Grenze. Drehkreuz für alle, die sich aus eigener Kraft fortbewegen. Rund um die Bilderbuchbucht ziehen sich Spazierwege, Prädikatswege, Radwege, historische Wege und Fernwanderwege, auf denen man bis Italien laufen könnte, ganz wie die klassische Grand Tour (französisch für: große Reise) es vorsah, damals im 15. Jahrhundert, als Reisen noch dem Adel vorbehalten war. Später mischte sich das gehobene Bürgertum unter die Reisenden. Noch später folgten die Stände. Insbesondere in England war das angesagt, weshalb »Le Grand Tour« im 18. Jahrhundert zu »The Grand Tour« wurde, während in Deutschland die Cavalierstour in Mode kam. Ab 1900 schlossen sich immer breitere Schichten an und Erholungsreisen liefen der Grand Tour zunehmend den Rang ab. Daraus entwickelte sich im 20. Jahrhundert der Massentourismus. Im 21. steigerte er sich zum Übertourismus. Ein Zustand, mit dem auch Schleswig-Holstein heute zu kämpfen hat. Es ist nicht immer exakt vorauszusagen, wann, wo und warum es des Guten zuviel wird. In Wassersleben scheiden sich die Freigeister Mit Glück präsentiert sich Wassersleben gerade richtig belebt. Bei Pech hilft nur sanfter …

Flensburg

IX. Flensburg: Schaut auf diese Stadt.

Die beste Art nach Flensburg zu reisen, ist zu Fuß auf dem Fördesteig aus Glücksburg kommend.  Man erreicht die ehemalige Rummetropole über den Volkspark in Hanglage. Unter seinen Aussichtpunkten liegt die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins den Reisenden dann zu Füßen wie ein Amphietheater – mit der Förde als Arena. Um sie dreht sich in Flensburg alles. Beim Abstieg weicht der zunächst großbürgerliche Eindruck einem Gefühl, das in anderen Seehandelstädten spätestens in den 1990ern verloren ging. Das Gefühl, es gäbe noch etwas zu entdecken. In Flensburg darf Schräges und Windschiefes noch genauso selbstbewusst in der ersten Reihe stehen wie prächtige Renaissance-Fassaden. In Flensburg schlängelt man sich durch die Gänge und treibt sich in Hinterhöfen rum. Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub in Flensburg In Flensburg gibt es noch schrabbelige Ecken im Hafen und am allerbesten Spot ein Piratennest. In Flensburg spricht man selbstverständlich dänisch. In Flensburg können sich selbst Studierende noch ein WG-Zimmer leisten. In Flensburg hält der ICE nicht in der City sondern im Carlisle Park. Und wer Hamburg längst zu gentrifiziert findet, Kiel zu kantig und Lübeck zu …